Mit Isis alles easy?

Isländer Pferde erfreuen sich in Deutschland offensichtlich einer immer größeren Beliebtheit.

 

Das merke ich auch in meiner Tierheilpraxis. Waren es früher nur vereinzelt mal Anfragen, die meistens im Zusammenhang mit dem Sommerekzem standen, werden  in letzter Zeit immer mehr Isländer Pferde mit z.T. erheblichen Problemen im Bewegungsapparat vorgestellt. Woran liegt das?

 

 

Die Isländer stellen seit langem eine stetig wachsende Pferdepopulation in Deutschland dar.  Und der Markt scheint noch lange nicht gesättigt zu sein. Während in den letzten Jahren viele Warmblutzüchter ihre Aktivitäten zurückgefahren oder gar eingestellt haben, steigt die Nachfrage nach Isländern noch immer an. Immer beliebter werden sie bei Familien, Kindern, aber auch erwachsenen Reitanfängers und Reit-Wiedereinsteigern. Wobei die Kaufinteressenten nach wie vor einen im Vergleich zu Großpferden höheren Durchschnittspreis zu zahlen bereit sind.

 

 

Gründe für den Isländer-Boom

 

Die günstige Haltung

 

Der Charme dieser Pferde liegt in ihrer Ursprünglichkeit. Die  Isländer gehören zu den sog. Robustpferderassen, die problemlos mit guter Offenstallhaltung zurechtkommen. Das macht diese Pferde wegen der deutlich geringeren Unterhaltskosten für viele Menschen so interessant.

Bedenken sollte man jedoch, dass Isländer einem sehr lange isoliert gehaltenen Genpool entspringen. Sie gelten als „Rassisten“ unter den Pferde. Ihre Verträglichkeit mit Pferden anderer Rassen ist sehr beschränkt, weshalb Isländer am besten in reinen Isländer-Gruppen gehalten werden. Die Auswahl der Unterbringungsmöglichkeiten ist dadurch natürlich eingeschränkter als bei anderen Pferderassen.

 

 

Die kompakte Größe und ihr freundliches Wesen

 

 

Isländer besitzen mit einem Stockmaß von 1,32 bis 1,45 m Ponyformat. Sie sehen mit ihrer üppigen Mähne niedlich aus und besitzen im Umgang mit Menschen ein sehr freundliches Wesen.  Das ist der Grund weshalb sie als ideale Pferde für Kinder gehandelt werden und sich viele erwachsene Reitanfänger oder Reitwiedereinsteiger zu Isländern hingezogen fühlen.

Ursprünglich ausgestattet mit einem sehr soliden Fundament  (kräftige, kurze Beine) sind sie auch in der Lage Erwachsene zu tragen. Doch Vorsicht: Auch wenn Isländer immer wieder als „Gewichtsträger“ angepriesen werden, menschliche Schwergewichte haben  auf dem Rücken eines Isländers nichts zu suchen. Die Knochen sind bei Isländern zwar im Vergleich zu anderen Ponyrassen etwas kräftiger, Isländer besitzen darüber hinaus jedoch keine anatomischen Besonderheiten, wie einen zusätzlichen Wirbel oder eine besonders versteifte Wirbelsäule  oder was sonst noch so erzählt wird. Zudem geht der Trend dahin, immer größere Pferde, d.h. vor allem Pferde mit längeren, dann oft zierlicheren Beinen zu züchten.  Die Tragfähigkeit nimmt damit keinesfalls  zu.

 

 

Darüber hinaus sind Isländer  Gangpferde

 

Isländer haben jenseits von Schritt, Trab und Galopp ein erweitertes Bewegungspotential.  Ich bin keine Spezialistin für Gangpferde und damit auch keine Isländer-Expertin, darum möchte ich mich an dieser Stelle auch nicht ausführlicher über den Tölt und den Rennpass auslassen. Nur soviel, der Tölt ist eben nicht die bequeme Gangart, in der man sich kilometerweit entspannt durchs Gelände tragen lassen kann. Diese Gangart muss dem Pferd mit viel Körperspannung ermöglicht werden, damit das Pferd trotz erhöhter Muskelspannung durchlässig bleibt. Nur so kommt ein reiner 4-Takt zustande, bei dem immer ein Huf auf der Erde ist. Wenn die Muskulatur nicht durchlässig bleibt, kommt es zu Verspannungen beim Pferd. Der Isländer kann seinen Bewegungsapparat dann nicht mehr physilogisch nutzen. Aber ein Großteil der Faszination für diese Pferde liegt natürlich in diesen zusätzlichen Gängen.

 

Woher kommen die zunehmenden Probleme?

 

Die Besonderheiten des Isländer Exterieurs

 

Auch für Isländer Pferde gilt: Die Fähigkeit einen Reiter zu tragen, muss dem Isländer genauso antrainiert werden, wie jedem anderen Pferd.  Und das ist beim Isländer eine sehr anspruchsvolle Aufgabe mit der Kinder und Anfänger schnell überfordert sind!

Um einen Reiter tragen zu können und gleichzeitig den eigenen Bewegungsapparat verschleißfrei zu benutzen, muss ein Pferd eine tragfähige Rückenmuskel-Brücke auf trainieren. Nur  dadurch kommt das Pferd in die Tragkraft.

Einfacher und natürlicher ist es für ein Pferd, den Rücken einfach in Streckung zu bringen, sobald er durch ein zusätzliches  Gewicht belastet wird. Dies ist das natürliche Verhalten bei jungen und nicht ausgebildeten Pferden, wenn sie schnell  flüchten. Kopf und Hals werden hoch getragen, die Wirbelgelenke in Streckstellung gebracht  und damit die Abstände der Wirbel zueinander minimiert, wodurch die gesamte Wirbelsäule bei angespannter Muskulatur stabiler wird.

Wünschenswert ist es jedoch, dass das Pferd bei losgelassener Muskulatur frei in der Wirbelsäule schwingen kann (daher rührt der Begriff Schwung).  Schwung wird aber nur durch antrainierte Tragkraft möglich.

 

 

Der Reiter muss dem Pferd also helfen dieses natürliche Bewegungsmuster zu überwinden und den Rücken aufzuwölben. Dies ist beim Isländer wegen seines Exterieurs (kurzer, dicker, tief angesetzter Hals, relativ kurzer Rücken, häufig steil gestellte Hinterhand) deutlich schwieriger als bei den meisten Warmblutpferden. Insofern braucht der Isländer besonders gute Reiter, um verschleiß- und schmerzfrei das Abenteuer Reiten zu überstehen. Anfänger und Kinder sollten sich nicht scheuen professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

 

Falsche Sättel

 

Auch wenn Isländer durchaus in der Lage sind Erwachsene zu tragen, muss immer ein besonderes Augenmerk auf den Sattel gelegt werden. Die Sitzgröße des Sattels muss zu der Länge des Isländer-Rückens passen und er darf den Reiter keinesfalls im Schwerpunkt zu weit nach hinten setzen.

 

 

Anzeichen wann Isländer Hilfe brauchen

 

Häufig kommen Isländer in meine Praxis, die extrem schmerzempfindlich in der Lendenwirbelregion sind, die ihren Rücken nicht mehr aufwölben können, die mit den Vorderbeinen extrem eng fußen, manche setzen die Vorderbeine sogar voreinander. Diese Symptome resultieren daraus, dass das Pferd nicht gelernt hat oder nicht dahingehend trainiert wird sich unterm Reiter mit einer frei schwingenden Wirbelsäule bei losgelassener Muskulatur zu bewegen.

Für das Pferd ist dies ein sehr schmerzhafter Zustand.  Aber das zeigen die freundlichen Isländer Pferdchen oft zu zaghaft an.

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